Konzept TMPI

TMPI

„Therapeutische Mensch Pferd Interaktion“

AGRT e.V. verdankt dem TMPI-Begründer, Hans-Jürgen Bareiss das theoretische Konzept für die komplexe therapeutische und pädagogische Arbeit mit Mensch und Pferd.

Bareiss, langjähriges Mitglied der AGRT und maßgeblich an der Entwicklung des neuen Ausbildungskonzeptes der AGRT beteiligt, stellte sein daraus resultierendes Konzept der TMPI der 3. interdisziplinären Arbeitstagung des DKThR „Die Arbeit mit dem Pferd in Psychiatrie und Psychotherapie“ in Haar bei München vom 12. bis 13.10.1995 vor.

„TMPI ist kein abgeschlossenes Konzept, sondern zunächst ein offenes Modell mit dem Versuch der Berücksichtigung entscheidender Variablen und Grundsätze als Beitrag zur Weiterentwicklung von Theorie und Praxis der therapeutischen Arbeit mit Mensch und Pferd“, (Bareiss, 1996, S. 93). Der Begriff TMPI steht für „Therapeutische Mensch Pferd Interaktion“. H.J. Bareiss versteht darunter „die therapeutisch relevante Begegnung von Mensch und Pferd. „Therapeutisch“ wird in diesem Zusammenhang relativ offen verstanden im Sinne von: „die Therapie, die Prophylaxe und Prävention, die Nachsorge, die systemische Begleitung betreffend sowie therapieartig wirkend ohne die zwingende Voraussetzung von ‚Krankheit‘ oder ‚Behinderung‘“, Bareiss, 1996, S. 94.Das TMPI-Modell hat den Anspruch mehrdimensional, ganzheitlich, interdisziplinär, prozessorientiert, Methoden verknüpfend und relativierend zu sein. In der Praxis bedeutet dies, dass die TMPI eine ganzheitliche Betrachtungs- und Arbeitsweise mit dem Pferd ist und sich auf jede Form der Kontaktaufnahme zwischen Mensch und Pferd bezieht. Hierbei stellt das Reiten nur einen Aspekt der Interaktion dar. Für manche Menschen ist die Kontaktaufnahme vom Boden aus vielleicht wesentlich wichtiger.

Pferd als Co-Therapeut

Das Pferd ist Co-Therapeut, da die Therapeut-Klient-Situation durch das Pferd erweitert wird.
Dadurch kann der Therapeut unter Umständen mehr oder weniger in den Hintergrund treten.

Dazu H.-J. Bareiss: „Was die heilpädagogische-psychologische Arbeit unter dem Beziehungsaspekt angeht, haben die Interaktionsmodi am Boden ihre besondere Bedeutung: Erleben von Nähe, Beachten von Distanz, Beobachtung, die vielen Möglichkeiten des Umgangs mit dem Pferd – auch spielerischer Art, die Versorgung und Pflege, die Bodenarbeit. Ich (Bareiss) denke, dass hier viele Ideen entwickelt werden können, wenn die einseitige Fixierung auf Reiten und Voltigieren überwunden worden ist. Eine Face-to-face-Beziehung bedarf des Gegenübers. Und dieses Gegenüber findet in Form vielfältiger Interaktion am Boden statt“, so Bareiss, 1996, S. 95. Dies schließt natürlich die Bedeutung des sowohl physiologisch als auch psychologisch wichtigen Aspektes des ‚getragen und bewegen Werdens‘ auf dem Pferd nicht aus. „Auf psychologisch-körpertherapeutischen Ansätzen beruhend werden in jüngerer Zeit Erfahrungsberichte vorgelegt, die signalisieren, dass hier eine innovative Entwicklung der therapeutischen Arbeit mit dem Pferd erst in Gang kommt“, heißt es weiter.

Im weiteren erläutert H.- J. Bareiss noch weitere wichtige Begriffe wie die Erlebens- und Prozess-Dimensionen und deren Bedeutung für unsere Arbeit mit Mensch und Pferd. Der vollständige Text erschien in der Zeitschrift Praxis der Psychomotorik, Jahrgang 21, Ausgabe 2 im Mai 1996.